Friedhöfe anders Denken

Dass sich Bestattungsgewohnheiten wandeln, zeigen aktuelle Zahlen: Bei fast 90 Prozent der Todesfälle in der Schweiz folgt die Einäscherung und nicht ein Begräbnis. In Zürich beispielsweise gab es im Jahr 2000 insgesamt 66282 genutzte Gräber und Nischen. Im Jahr 2020 waren es nur noch 38254. Das hat starke Konsequenzen für die zahlreichen Friedhöfe in der Schweiz und führt unweigerlich dazu, dass man die Nutzung der Flächen auf Friedhöfen neu überdenkt.

Im Zürcher Friedhof Manegg werden beispielsweise einige Grünflächen neu als Weideflächen für Schafe verwendet. Sogar das Picknicken ist auf dem Friedhof erlaubt, genauso wie das Joggen. Gemäss Schreiben des Präsidialdepartements am Eingang des Friedhofs soll man dennoch der «Würde des Ortes Rechnung tragen». Auch in Basel erlebt man den Wandel der Bestattungskultur. Im Friedhof Sissach bleiben die Gräber deshalb auch nach Ablauf der Pietätszeit von 25 Jahren bestehen. Damit soll verhindert werden, dass der Friedhof leer aussieht. Im Friedhof am Hörnli fand zu Beginn der Corona-Pandemie sogar eine Freiluft-Ausstellung («Zeit Los Lassen») statt. Die Besucher fänden auf diesem Spaziergang durch den Friedhof einen Ort zum Innehalten vor, sagt der Künstler Matthias Zurbrügg. Die Kombination von Kunst und Tod kennt man auch auf dem Friedhof der Könige in Genf: 2016 konnte man – ebenfalls in einer Freiluft-Ausstellung – 16 Werke von zeitgenössischen Künstlern betrachten. Der Künstler Giani Motti animierte mit der Inschrift «Ich habe Ihnen gesagt, dass es mir nicht gut geht» zur Reflexion über Einsamkeit und Individualismus. 2019 wurde der Friedhof mit «The other side» erneut belebt. Acht Texte von Autoren konnten gelesen werden, indem man mit einem Smartphone die zwischen den Gräbern verstreuten Wappen einscannte.

Medienartikel: Inside Paradeplatz, bz Basel, SRF, Le Temps.

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Kategorie
Bestattung
Publiziert
24 Februar 2020
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