Organspende – die rettende Geste

Mit 1400 Menschen, die in der Schweiz auf ein Organ für eine Transplantation warten, ist der Bedarf gross. Im Jahr 2018 konnten laut dem von Swisstransplant veröffentlichten Jahresbericht 278 Transplantationen auf Basis von Schweizer Spendern durchgeführt werden. Die etwa 58 000 registrierten Organspende-Register reichten nicht aus, da 68 Menschen starben, weil sie die dringend benötigten Nieren, Leber oder Herz nicht erhalten hatten.

Neben dem Ausfüllen und Tragen eines Spenderausweises wird heute häufig die Möglichkeit bevorzugt, sich digital in das Organspenderegister einzutragen. Es ist zwar weiterhin möglich, die Dokumente über den Computer von der Website aus auszudrucken, aber mit Hilfe eines Tablets oder Smartphones können Daten und Fotos in wenigen Minuten eingegeben und unterschrieben werden, wodurch die Mitgliedschaft in einem einzigen Schritt abgeschlossen werden kann.

Die Organspende steht in der Regel allen offen und kann bereits ab 16 Jahren eingeleitet werden. Einige Einschränkungen gelten jedoch, so Sébastien Hechinger, Fachpfleger für Organspende im CHUV: «Es darf keine absoluten Widersprüche wie aktive Krebserkrankung, Tollwut oder eine blitzartige Sepsis geben. Wenn eine Krebserkrankung seit mehr als fünf Jahren als geheilt gilt, ohne dass sie erneut auftrat, ist diese Möglichkeit offen, aber strikt durch reglementiert.“ Wenn keine Entscheidung zu Lebzeiten eines Verstorbenen getroffen wird, kann die Familie eines potentiellen Spenders gegebenenfalls von Ärzten kontaktiert werden und muss dann eine Entscheidung treffen.

 

Auf dem Weg zur  Zustimmung der Organspende

 

In den meisten Fällen liegt die Entscheidung bei der Familie, da keine vorherige Entscheidung getroffen wurde. Angst, den Körper zu berühren, sowie ethische oder religiöse Gründe führen dazu, dass die Spende in 60% der Fälle abgelehnt wird. Auch die Befürchtung, dass die Ärzte zu schnell handeln wollen, ohne dass der Tod absolut sicher ist, wird ins Spiel gebracht. Sébastien Hechinger versichert: «Nur Intensivärzte und Neurologen sind befugt, den Tod vor Organentnahme festzustellen. Darüber hinaus ist die gemeinsame Stellungnahme  von zwei Fachleuten notwendig. »

 

Angesichts der Schwierigkeiten, Spender zu finden, könnte das Gesetz bald geändert werden. Die Initiative «Leben retten durch Förderung der Organspende» zielt darauf ab, das Paradigma umzukehren, indem die ausdrückliche Zustimmung durch die mutmassliche Zustimmung ersetzt wird. Diejenigen, die die Spende ablehnen, sollten dies zu ihren Lebzeiten ausdrücklich mitteilen. Sie sammelte 113 000 Unterschriften. Die Nationale Ethikkommission für Humanmedizin hat einen dritten Weg vorgeschlagen, der alle Bürger dazu zwingen würde, ihren Willen gemäss dem Grundsatz der Selbstbestimmung zum Ausdruck zu bringen. Gegenentwürfe werden bereits vorgelegt, und die Debatte wird heftig werden.

 


 

Publiziert
10 Februar 2020
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