Patientenverfügung: das Recht auf Selbstbestimmung

Jedermann hat den Fall Vincent Humbert im Kopf, benannt nach einem jungen französischen Tetraplegiker, dessen Lebens seit den frühen 2000er Jahren durch Familien- und Gerichtsverfahren zerrüttet wurde. Der Fall hat die Frage der therapeutischen Härte und der Fähigkeit, selbst über die medizinische Nachsorge zu entscheiden, deutlich gemacht. Seit 2013 wird mit der Revision des Schweizerischen Bürgerlichen Gesetzbuches über den Erwachsenenschutz das Selbstbestimmungsrecht einer Person bei Verlust des Urteilsvermögens geklärt und ausgeweitet. Hauptfrage ist die Wahl der medizinischen Versorgung – vor allem am Lebensende.

Die erste Möglichkeit, vorausgesetzt, dass Sie über Ihre bürgerlichen Rechte verfügen, d. h. zum Zeitpunkt der Verfassung volljährig sind, ein Vertreter zu bestimmen, der sowohl eine natürliche Person (z. B. ein Verwandter) als auch eine juristische Person (Vereinigung, Stiftung usw. ) sein kann. Diese Person wird die Vollmacht haben, im Namen des Mandanten Entscheidungen zu treffen, insbesondere im rechtlichen, vermögensrechtlichen Bereich, aber auch in der medizinischen Versorgung bei Verlust des Urteilsvermögens. Die Vollmacht muss handschriftlich, datiert und unterzeichnet oder von einem Notar ausgestellt werden. Dem Vertreter steht es frei, den Auftrag anzunehmen oder abzulehnen. Für die Aufbewahrung der Patientenverfügung wurde eine zentrale Datenbank des Standesamtes eingerichtet, dennoch wird empfohlen, die Angehörigen darüber zu informieren.

Was steht in der «Patientenverfügung»?

Selbstbestimmung kann jedoch in einem präziseren Sinne gesehen werden, indem man die Gesamtheit der Bestimmungen über die medizinische Versorgung bei Verlust des Urteilsvermögens selbst festlegt. Dies ist ein ergänzender Schritt zur Bezeichnung des Auftraggebers. Der Text muss von der Person selbst – im Zustand der Urteilsfähigkeit – verfasst, datiert und unterschrieben werden. Sie kann die Verfassung und den Ort der Hinterlegung der Verfügung auf ihrer Versicherungskarte vermerken lassen und den Arzt über ihr Vorgehen informieren.

Everlife.ch bietet ein kostenloses Modell für «Vollmacht bei Geschäftsunfähigkeit» und «Patientenverfügung» an, die direkt und kostenlos von der Website heruntergeladen werden können. Es enthält alle Punkte, die geklärt werden müssen, um die Wahl, die eine Person mit all ihrer Einsicht getroffen hätte, so genau wie möglich zu definieren und dies von den genauesten Punkten bis zu den Werten und der Sicht der Person.

Zunächst müssen der Zweck und die Motivation der Person, die den Prozess durchführt, klar dargelegt werden, insbesondere was sie zu diesem Schritt bewogen hat. Das Verhältnis zu Leben, Tod und Schmerz wird dann in Bezug auf Werte und persönliche Vorstellungen hinterfragt. Das Teilen der eigenen Erfahrungen mit dem Lebensende hilft auch, die eigenen Erwartungen besser zu verstehen. Die Frage der Therapieverlängerung wird dann explizit angesprochen, ebenso wie die künstliche Ernährung, die Beatmungshilfe und die Palliativversorgung. Ein wichtiger Punkt ist, dass die Zustimmung zur Organspende, die allzu oft nicht geklärt wird, aus gegebenem Anlass entschieden werden kann.

Zu beachten ist, dass bei fehlender Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht das Gesetz nun in einer Rangfolge festlegt, welche Angehörigen alle Entscheidungen für die urteilsunfähige Person zu treffen haben. Es gibt jedoch keine Garantie dafür, dass die vom Bevollmächtigten getroffenen Entscheidungen mit der Realität der Erwartungen übereinstimmen.

 

 


 

 

Publiziert
10 Februar 2020
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