Berühmte weltliche Feiern

Dies ist eine der markantesten Entwicklungen der Bestattungsrituale in der Schweiz. Es wird davon gesprochen, dass nicht-religiöse Zeremonien bereits mehr als 20 Prozent der Fälle im Land ausmachen, wobei der Anteil der nicht-religiösen Zeremonien ständig zunimmt. Manchmal werden sie von der Familie selbst übernommen, aber immer häufiger von professionellen Laien zelebriert, wie Wolfgang Weigand. Der Winterthurer arbeitet als freier Theologe und hat schon über 1200 Rituale geleitet. Zu seiner Arbeit sagt er: «Bei mir gibt es keine verbindlichen Rituale und keine Floskelsprache». Anders als man es kennt – in der Kirche – finden seine Riten am Flussufer, im Garten von Angehörigen, im Friedwald bei Baumbestattungen, aber auch in Kapellen und Abdankungshallen statt. «Es ist wichtig, dass die Zeremonie etwas mit der verstorbenen Person zu tun hat.»

Auch die Ritualbegleiterin und Theologin Barbara Lehner aus Luzern bietet nicht-kirchliche Feiern an: «Ich versuche die verstorbene Person zu erfassen und entsprechend ihrer spirituellen Grundhaltung und den Lebensthemen ein individuelles Ritualkleid zu stricken». Dabei sei der Aufbau ihrer Riten ähnlich wie jener der Kirche: Sie beginnt mit der Begrüssung, einem Rückblick auf das Leben des Verstorbenen, einer Rede, Beiträgen wie Texte, Musik oder Gesang. Besondern wichtig ist für Lehner das Integrieren eines Elements des bewussten Verabschiedens: «Die Person und ihr Tod müssen irgendwie fassbar werden, damit man sich verabschieden kann. Denn das Begreifen des Verlustes und das Durchleben verschiedener Gefühle sind wichtige Teile des Trauerprozesses.»

Solche Rituale werden in der heutigen Gesellschaft immer populärer. Ritualleitende oder freischaffende Theologen schaffen einen würdevollen Rahmen für eine Abdankung. «Im Moment der akuten Trauer braucht es eine Bühne, eine Struktur, in der die Trauer stattfinden kann. Man kann nicht einfach ein bisschen zusammenstehen», sagt Weigand. Angesichts der steigenden Nachfrage ist es nicht immer einfach, einen Ort zu finden. Kirchen öffnen noch selten ihre Türen, und Zeremonien finden oft in Kapellen oder Bestattungszentren statt. Sandra Widmer Joly, selbst Zelebrantin, stellt fest, dass «andere Möglichkeiten offenstehen, wie Gemeinschaftsräume oder Privathaushalte. Die Schwierigkeit, Orte zu finden ist manchmal noch grösser in den kleinen Kantonen.»

Für Joly bedeutet die Entfernung vom Religiösen Zeremonien nicht den Rückzug der Spiritualität, die im Zentrum ihrer Arbeit steht: «Wir sind in einer Veränderung. Viele Menschen sehnen sich danach, Dogmen zu entkommen, aber die Menschen bleiben an einer Form von Spiritualität festgebunden. Ein Mann erzählte mir zum Beispiel, dass er an Rosen glaubte, die jedes Jahr zurückkommen und ihn an eine verstorbene Verwandte erinnerte.

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Kategorie
Bestattung
Publiziert
10 Februar 2020
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